Browsing Posts published in September, 2010

Beim Luzerner Uhren- und Schmuckunternehmen Gübelin ist Veränderung angesagt: Thomas Gübelin übergibt Ende Jahr an die sechste Generation.

Familienunternehmen, die von der sechsten Generation geführt werden, sind so rar wie seltene Edelsteine. Die Uhren- und Schmuckfirma Gübelin, 1854 in Luzern gegründet, ist bald eine solche Rarität. Thomas Gübelin, 62, übergibt Ende Jahr die Führung an Sohn Raphael, 33, und Tochter Sara, 36.

Dass es überhaupt zu einer sechsten Generation kommt, war für Vater Thomas, der die Leitung 1988 von seinem Vater Walter übernommen hatte, immer nur eine von vielen Möglichkeiten. «Das war nie ein Muss.» Aber er habe sich von seinen Kindern gewünscht, dass sie ihm rechtzeitig mitteilen würden, wenn sie an einem Einstieg nicht interessiert wären. «Dann hätte ich einen CEO holen oder den Verkauf planen können.» Doch beide hätten Interesse gezeigt – Tochter Sara bereits vor zehn Jahren. Seither habe sie vom Verkauf über den Einkauf zur Kommunikation und Organisation von Events schon vieles gemacht.

«Die Jungen waren bereit»

Sohn Raphael hat im Internat Zuoz im Engadin die Matura abgeschlossen; es sei streng gewesen, aber auch «eine super Zeit». Als Trainee bei einer Bank realisierte er aber bald, dass seine Englischkenntnisse zu wünschen übrig liessen. In Boston in den USA lernte der junge Luzerner nicht nur die Sprache, sondern auch seine Frau kennen. Er blieb hängen, studierte dort, und als der Pharmakonzern Novartis in den USA ein Forschungs- und Entwicklungszentrum aus dem Boden stampfte, war der junge Gübelin dabei. Nach fast fünf Jahren als Controller verliess er vor drei Jahren Novartis und kehrte nach Luzern zurück.

Des Patrons Nachfolgekonzept wurde über den Haufen geworfen. «Eigentlich wollte ich erst 2013 mit 65 von der operativen Bühne abtreten und bis 70 den Verwaltungsrat präsidieren. Doch vor anderthalb Jahren merkte ich, dass die Jungen bereit waren. Auch Raphael hat sich viel rascher als erwartet ins operative Geschäft eingearbeitet.» continue reading…

Istanbul. Was hat der Preis eines Herrenhemdes mit der Verfassung eines Landes zu tun? In der Türkei eine ganze Menge. Wenige Tage vor der am Sonntag anstehenden Volksabstimmung über die umfassendste Verfassungsreform, die das Land in den letzten Jahrzehnten gesehen hat, füllt die Vorliebe von Oppositionschef Kemal Kilicdaroglu für feinen Zwirn die Schlagzeilen. Nach heftiger Kritik an seinen italienischen Edelhemden für 260 Euro ließ Kilicdaroglu nun verkünden, dass er auf preiswertere Ware umsteigt und ab sofort denselben Istanbuler Maßschneider bemüht wie sein Rivale, Premier Recep Tayyip Erdogan.

Ob das für Kilicdaroglu den Durchbruch bringt, werden die Türken erst nach Schließung der Wahllokale erfahren. Seit Wochen streiten sich Regierung und Opposition wie im Wahlkampf über alles Mögliche – nicht nur über Herrenhemden, sondern auch darüber, welcher Politiker denn nun das luxuriöseste Schwimmbecken zu Hause hat.

Ab und zu wird über das Thema debattiert, um das es eigentlich geht: um die 26 Punkte umfassende Verfassungsänderung, die Erdogan per Referendum in Kraft setzen lassen will. Der Wahltag ist zugleich der 30. Jahrestag des Militärputsches von 1980, dem die Türken die aktuelle, von einem antidemokratischen Geist durchwirkte Verfassung zu verdanken haben. continue reading…